Frauen unerwünscht

10. April 2019 REPORTAGE

ARTE RE – Frauen unerwünscht – Verbotene Berufe in Russland | Reportage, 30 Min

Oxana Chevalier ist Rettungstaucherin. Doch in ihrer Heimatstadt Moskau darf sie diesen Beruf nicht ausüben. Für Frauen ist das Rettungstauchen in Russland verboten, so wie die Ausübung von rund 450 weiteren Berufen. Auf der Schiffsbrücke oder der Rettungsstation sind Frauen unerwünscht. Die Arbeit in körperlich schweren Berufen ist ihnen per Gesetz verboten. Das Gesetz stammt noch aus sozialistischen Zeiten. Als es 1974 in Kraft trat, erhoffte sich die Regierung so die Geburtenrate anzukurbeln. Frauen sollen keine körperlich schwere Arbeit leisten – sie sollen Mütter werden.

Dabei galt lange Zeit kaum ein Land als so fortschrittlich hinsichtlich der Frauenrechte wie Russland. Während im Westen Frauen vor allem an Haus und Familie gebunden waren, schickten die Russen bereits die erste Frau ins All. Doch Russland verändert sich. Einst gedacht als Schutz, um im Sozialismus Frauen das Recht zu geben, körperlich gefährliche Berufe abzulehnen und auf einer ominösen Liste vermerkt, ist aus diesem Recht mehr und mehr ein Verbot geworden.

Russland starke Frauen finden jedoch eigene Wege. Für die Rettungstaucherin Oxana Chevalier ist das Verbot nicht Hindernis, sondern Herausforderung. Als ihr Arbeitgeber, der nationale Rettungsdienst, sie auf Grund des Gesetzes an den Schreibtisch versetzen wollte, hat sie einfach ihre eigene Firma gegründet, ist nun ihr eigener Chef. Heute bildet sie Rettungstaucher aus, meistens Männer versteht sich. Auf eigene Faust.

Manchmal wird Dir bewusst, dass die Hindernisse, die sich Dir in den Weg stellen, bloß ein Mittel sind, um Dich vorwärts zu bringen. Wenn Du diese Hindernisse überwindest, wächst Du daran. Und wenn Du diese innere Kraft spürst, dann gehst Du auch verantwortungsvoll  mit der Welt um Dich herum um. Was ich machen will, ist anderen Menschen helfen – und das ist schon ein Schmerz, dass ich das hier nicht mehr darf.

Oxana Chevalier

Das, was Oxana eigentlich tun will, wie sie ihr Leben gestalten will, verbietet ihr der Staat. Das Verbot hinterlässt Wunden, Fragen, Zweifel. Gerechtigkeit, Freiheit, Selbstbestimmtheit – kann es das geben, in der Welt, in der sie lebt? Und wenn nein, welche Konsequenzen zieht Oxana aus dieser Erkenntnis?


Regie: B. Arnold

Kamera. A. Czock

Schnitt: C. Nagel

Produktion: MDR, 2019