Polen – Nationalismus in Europas Kulturhauptstadt

ARTE YOUROPE | 19.02.2016

Polen, bis vor kurzem ein unauffälliges Nachbarland Deutschlands, sorgt seit den Wahlen im Oktober 2015 für Aufregung in Europa: Sieg der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“, Rechtsruck bei den polnischen Jugendlichen – zwei Drittel der jungen Leute wählten im Oktober rechte Parteien – dann ein neues Mediengesetz, mit dem die neue Regierung mehr Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nehmen will.
Deutschlands östliches Nachbarland erfüllt Europa mit Sorge. In Brüssel wird die Entwicklung in Polen sogar als eines der „größten Probleme für die EU 2016“ gehandelt.

Die Gegensätze in der polnischen Gesellschaft sind in Breslau derzeit besonders gut zu beobachten.Im Januar 2016 begann in Breslau mit pompösem Auftakt das Jahr als europäische Kulturhauptstadt. In rund 1.000 Veranstaltungen möchte sich Breslau als weltoffen, bunt und modern präsentieren und damit Besucher aus der ganzen Welt anziehen.

Das passt so gar nicht zu den Nachrichten, die uns sonst in letzter Zeit aus Breslau erreichen: Im November 2015 verbrannten rechtsradikale Demonstranten eine „Juden-Puppe“ auf dem Marktplatz. Dann versuchten Demonstranten, Theaterbesucher daran zu hindern, die Premiere einen Stückes von Elfriede Jelinek zu besuchen. Sie beriefen sich auf Forderungen des polnischen Kulturministers.

Und in Breslau gehen nicht nur rechte Nationalisten auf die Straße. Regelmäßig demonstrieren dort wie in vielen anderen polnischen Städten Tausende Menschen der polnischen Bürgerbewegung KOD – Komitee zur Verteidigung der Demokratie – gegen die Maßnahmen der neuen Regierung.