Die Pillen-Tester

ARTE | 09.10.12 | 30 Min.

Bevor ein neues Medikament zugelassen wird, muss es intensiv getestet werden – zunächst an Tieren, dann in verschiedenen Stufen am Menschen. Die Reportage begleitet einige Probanden bei Arzneimitteltests. Was die ganz unterschiedlichen Testpersonen verbindet, ist das gleiche Motiv: Sie wollen schnelles Geld verdienen.

Ein Film von Ben Arnold

 

 

Mehr als 1.200 Arzneimittel-Studien werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Denn jedes neue Medikament muss vor seiner Zulassung ausführlich getestet werden, zuerst in Tierversuchen, später auch mit Hilfe von menschlichen Probanden.

Da ist Christian. Der Student bezieht für mehrere Tage ein Krankenbett, um ein Präparat gegen die Bluterkrankheit einzunehmen. Angst hat er nicht, nur seine Eltern fürchten gesundheitliche Schäden. Doch ihr Sohn sieht in dem stationären Aufenthalt die einzigartige Gelegenheit, innerhalb von eineinhalb Wochen an 2.000 Euro zu kommen.
Was passiert, wenn bei Tests wirklich etwas schiefgeht? André klagt vor Gericht, fühlt sich durch einen Pharmatest geschädigt und will Schmerzensgeld. Er ist häufig Proband und muss nun beweisen, dass seine Beschwerden auf die letzte Studie zurückzuführen sind. Ein schwieriges Unterfangen.

Völlig unbeschwert lässt sich der arbeitslose Lars gerade 180 Milliliter Blut für 25 Euro in bar abnehmen. Auch er ist ein alter Hase im Metier. In seinem Pillenschrank türmen sich die Tabletten, nimmt er doch gleichzeitig an mehreren Studien teil. „Probanden-Hopping“ nennt man das unter seinesgleichen. Dass sein Verhalten bisher niemandem aufgefallen ist, hat den einfachen Grund, dass es in Deutschland aus datenschutzrechtlichen Gründen keine überregionale oder bundesweite Probandenkartei gibt. Eine fatale Situation, die dazu führt, dass Mehrfach-Probanden wie Lars unentdeckt bleiben und empirisch abgesicherte Forschungsergebnisse gefährden. Leittragende sind am Ende kranke Patienten, die erfolgreich behandelt werden wollen und auf neue, wirksame Medikamente hoffen.

Stab:
Kamera: A. Hodam
Ton: R. Kurz
Schnitt: T. Hohensee
Produzent: S. Hoge